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In der Presseerklärung zur Auftaktveranstaltung am 23. April 1998 hieß es:
Kip S. Thorne, 1940 in Logan/Utah
geboren, hat den Feynman-Lehrstuhl für Theoretische Physik am California
Institut of Technology inne. Das Leibniz-Kolleg Potsdam freut sich, für seine
Auftaktveranstaltung mit Kip S. Thorne einen herausragenden Wissenschaftler, der
zudem als Wissenschaftsautor auch in Deutschland bekannt ist, gewonnen zu haben.
Genannt sei das für den "gebildeten Laien" geschriebene Buch
"Gekrümmter Raum und verbogene Zeit: Einsteins Vermächtnis". Sein
für den 23. April 1998 eingeladener Vortrag zum Thema: "Gravitational
Waves: A New Window Onto the Universe" verspricht außergewöhnlich
spannend zu werden, zieht er doch Zwischenbilanz zu einem Forschungsgebiet, zu
dem in Kürze - womöglich noch vor der Jahrtausendwende - ein ganz großer
Durchbruch zu erwarten ist. Zur Zeit wird an riesigen
Gravitationswellen-Empfängern gebaut, deren Empfindlichkeit ausreichen sollte,
die von Albert Einstein in seiner Allgemeinen Relativitätstheorie
vorhergesagten Gravitationswellen zu messen und damit überhaupt nachzuweisen.
Die Potsdamer Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik
(Albert-Einstein-Institut), an dem Kip Thorne im Sommersemester einen
Forschungsaufenthalt haben wird, sind mit theoretischen Arbeiten an diesem
internationalen Großprojekt beteiligt. Damit öffnen sich völlig neue
Möglichkeiten, Einblick in bisher - im wahrsten Sinne des Wortes - unsichtbare
Vorgänge des Universums zu erlangen, erzeugen doch beschleunigt bewegte Massen
Gravitationswellen. So lassen in sich zusammenstürzende bewegte Sterne oder
Schwarze Löcher kein Licht aus dem Ereignishorizont dringen und sind damit
"unsichtbar" - über die von ihnen ausgesandten Gravitationswellen
jedoch sollten sie untersuchbar werden.
Gravitationswellen
Schon bald nach der endgültigen
Formulierung seiner Allgemeinen Relativitätstheorie, die ihm im November 1915
in Berlin gelungen war, zeigte Albert Einstein im Juni 1916 , daß es nach
dieser Theorie Gravitationswellen geben müsse. Die Erscheinungen der
Schwerkraft kommen nach der Allgemeinen Relativitätstheorie dadurch zustande,
daß jeder Körper in seiner Umgebung den Raum krümmt und den Zeitablauf
beeinflußt und sich umgekehrt jeder Körper auf einer "geradesten"
Bahn in dieser gekrümmten Raumzeit bewegt. (Man kann das veranschaulichen in
Analogie zu einer krummen Fläche, auf der es Kurven gibt, die stückweise die
kürzesten Verbindungen zwischen ihren Punkten darstellen.) Die durch die
Bewegungen von Körpern hervorgerufenen Verformungen der Raumzeit pflanzen sich,
so fand Einstein, wellenartig fort mit derselben Geschwindigkeit, mit der sich
Licht und alle anderen elektromagnetischen Wellen ausbreiten. Um
Gravitationswellen nachzuweisen, die von tatsächlich im Weltall vorhandenen
beschleunigt bewegten Massen wie in sich zusammenstürzenden, massereichen
Sternen oder engen, ineinander-spiralenden Doppel-sternen oder Schwarzen
Löchern erzeugt werden, braucht man allerdings extrem empfindliche Detektoren,
weshalb ein direkter experimenteller Nachweis bisher nicht möglich war.
Seit einiger Zeit arbeiten mehrere
Forschergruppen in den USA, Frankreich, Italien, Japan und Deutschland am Bau
großer Gravitationswellen-Empfänger, deren Empfindlichkeit ausreichen sollte,
einige der erwarteten Signale nachzuweisen. Mit dem Beginn der Messungen kann um
die bevorstehende Jahrtausendwende gerechnet werden.
Die Bedeutung dieser aufwendigen
Forschungen, über die Herr Prof. Thorne berichten wird, besteht in folgendem.
Erstens soll dadurch die Allgemeine
Relativitätstheorie auf andere Weise als bisher experimentell überprüft
werden, und
zweitens - und das wird auf lange Sicht noch
wichtiger sein - wird dadurch eine neue Möglichkeit eröffnet, weit entfernte
kosmische Vorgänge messend zu verfolgen, die auf andere Weise kaum oder gar
nicht beobachtet werden können. Das Max-Planck-Institut für
Gravitationsphysik, an dem Prof. Thorne im Sommer vorübergehend als
Gastwissenschaftler arbeiten wird, ist mit theoretischen Arbeiten an diesem
Großprojekt, das umfangreiche internationale Zusammenarbeit erfordert,
beteiligt.
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